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| Die Sofareise | (13.05.2011, 15:35) |
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| Was Dedon-Gründer Bobby Dekeyser mit der Möbelfima, die ihm wieder gehört, jetzt macht. von Delia Lenoir |
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Wenn eine der erfolgreichsten Firmen, die Möbel für draussen herstellen, plötzlich auch Fernreisen anbietet (richtige Fernreisen, nicht bloss sogenannte "Sofareisen"), dann kann man von Diversifizierung sprechen. Oder, falls man der Gründer und Chef von Dedon, dem Möbelhersteller, ist, diese Entwicklung "organisch wachsen" nennen. Robert "Bobby" Dekeyser bietet zusammen mit Globetrotter Schweiz Reisen zu sogenannten "Dedon Places" an. Ab kommendem Herbst kann man an dem ersten dieser Orte, auf einer Insel auf den Philippinen, die dem 46-jährigen gehört, Ferien machen. "Wir begeistern eben lieber mit kühnen Geschichten als mit einer kühlen Möbellandschaft", sagt Dekeyser. Und falls man sich noch nicht ganz vorstellen kann, wie das aussehen soll, braucht man sich bloss die aktuelle, von Bruce Weber realisierte Dedon-Werbekampagne "Around the world" anzuschauen. Dann sieht und lernt man, dass man selbst während eines Besuchs bei den Massai nicht auf eine Liege mit dem Flechtwerk verzichten muss. Nein, sie ist eher, wenn man so will, ein Fangnetz für Abenteuer.
Dedon ist ein junges Unternehmen, gegründet vor 21 Jahren. Doch spätestens zehn Jahre danach war es bereits so gross und die Produkte so bekannt, dass die meisten Konkurrenten darauf aufmerksam geworden waren - weltweit wurden Dekeysers wasserresistentes Material und sein Design kopiert. Das beunruhigt den Firmengründer aus zwei Gründen nicht:" Der Markt ist gross genug", sagt er. Und: Er verkaufte seine Firma ungefähr zu diesem Zeitpunkt. Doch seit wenigen Jahren gehört sie ihm wieder. Während der Finanzkrise, als andere auf die Bremse traten, kaufte Dekeyser seine Firma zurück, weil er nicht mitansehen wollte, sagt er, wie die neuen Besitzer sparten und zögerten. Um fair zu sein, die ehemaligen Dedon-Investoren waren nicht die Einzigen, die sich zurückhielten; der italienische Anbieter B&B zum Beispiel legte die Idee, eine Outdoor-Kollektion zu lancieren, auf Eis. Und die Firma Poliform beschloss, in Amerika lieber Dedon zu vertreten, als eine eigene Kollektion herauszubringen. Nachdem Dekeyser seine Firma zurückgekauft hatte, führte er gleich 150 neue Produkte ein zu den bestehenden 500 Produkten. Dieses Jahr werden es noch einmal so viele sein. Inzwischen arbeiten knapp 3000 Flechter in der Fabrik auf den Philippinen und bekommen "Mister Bobby", wie man ihn dort nennt, regelmässig zu sehen, sogar an Weihnachten.
Dekeyser hat Erfahrung mit Entscheiden bei Unsicherheit. Als seine gleichaltrigen Jugendfreunde Lehrstellen als Kaufleute suchten, entschied er, es als Berufsfussballer zu versuchen. Und bekam einen Platz im Tor der A-Jugend-Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern; bevor ein Sportunfall seine Laufbahn mit 26 Jahren beendete, spielte er - halb Belgier, halb Österreicher - in der belgischen Nationalmannschaft, bei Royale Union Saint-Gilloise und, wenn auch bloss ein Spiel, für den FC Bayern München. Obwohl Dekeyser nach der Verletzung weiter Angebote von Klubs bekam, entschied er, noch im Krankenhaus, in Zukunft etwas anderes zu tun, als Fussball zu spielen. Er begann, die Idee "Dedon" zu entwickeln. Viel frische Luft und ein Material, das es zu erproben galt, mit ein paar Pannen, bon, aber die zählen nicht, das liest sich wie eine Stellenbeschreibung, geschrieben für Bobby Dekeyser. "Bei unserem ersten Hotelauftrag mussten wir alle Möbel wieder zurücknehmen, nachdem sie eingebrochen waren", erinnert er sich (er nahm es sportlich). Operativ arbeitet der Umtriebige, der in seinem Leben nie ein Büro für sich alleine gehabt hat, heute nicht mehr für Dedon. Das überlässt er anderen; "ich würde nur stören", sagt der Vater von drei Kindern, dessen Frau vergangenes Jahr an Krebs gestorben ist. Kein Wunder, stellen sich seine Mitarbeiter schützend vor ihn und nehmen ihm das Tagesgeschäft ab.
Top-Seller wie die Dedon-Modelle "Tango", "Panama" oder "Orbit", ein muschelartiges Canapé, gefallen Käufern, weil sie die Sehnsucht nach cosiness stillen. Und man bekommt mehr als ein Möbelstück, man bekommt Lebensgefühl. "Wir handeln wie ein Modelabel", erklärt Tom Wallmann, der International Maketing Director von Dedon und ein Schulfreund Dekeysers. Was er meint: In der Mode ist es üblich, verschiedene Labels zu führen (bei Ralph Lauren gibt es zum beispiel das formelle "Purple Label" oder die Vintage-Linie "Double RL"; Boss bietet "Boss Black" an für Geschäftskleidung oder "Boss Orange" für die Freizeit). Und bei Dedon arbeitet man mit den Designern Jean-Marie Massaud oder mit (der bisher für Minotti arbeitenden) Annette Hinterwirth zusammen, andere Möbelstücke entwirft Philippe Starck (Stühle der neuen Kollektion "Play with Dedon by Starck" sind ab 230 Franken erhältlich). So will man ein breiteres Publikum ansprechen und, auch das muss man schreiben, mehr verkaufen. Ein Trend, den man überall erkennen kann. Sogar die hochpreisige Marke Fritz Hansen (der "Egg Lounge Chair" kostet so viel wie eine kleine Weltreise) bietet einige Stücke mittlerweile in durchschnittlichen Möbelhäusern an.
Der immer noch fitte Dekeyser ("jeden Morgen eine Stunde joggen oder auf dem Fluss paddeln") ist bereits eine Nasenlänge voraus. In seinem Haus am Hamburger Alsterufer, ganz in der Nähe von Jil Sanders Villa, entwickelt er beim Abendessen mit, sagen wir, 26 Gästen aus acht Nationen neue Ideen. Zum Beispiel, welche soziale Projekte mit den zehn Prozent des jährlichen Dedon-Gewinns (eine Million Euro) zu unterstützen sind. Besonders Jugendliche haben es ihm dabei angetan. Am World Economic Forum in Davos vergangenen Januar riet er als Redner für seine Foundation Dekeyser & Friends 300 jungen Zuhörern, ihrer "inneren Stimme" zu folgen, nicht der Stimme anderer. Und weil Dekeyser ein Mann ist, der nicht lockerlässt, erscheint diesen Herbst sein erstes Sachbuch "Der Traumfänger". Und, so sieht es aus, das ist immer noch nicht alles. Zusammen mit Bruce Weber arbeitet er an einem Drehbuch. Die Story? Wie sich die Welt lebenswerter gestalten lässt. Man kann alle diese Vorhaben unübersichtlich finden. Oder man kann es sehen wie Bobby Dekeyser: als "organisches Wachsen". |
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